Goldene Brache

Temporäre Freiraumgestaltung Schlossareal, Berlin

Wir begreifen das Schlossareal zwischen 2007 und 2012 als Brachfläche. In der Dreifelderwirtschaft beschreibt die Brache den Zustand geringster menschlicher Aktivitäten, in der sich der Boden für kommende Fruchtfolgen erholt. Eine Brache ist ein positiver Zustand, der den Nutzungswandel symbolisiert, eine Zeit der Entspannung für Land in Erwartung.

Freiflächen und Brachen waren insbesondere nach dem Mauerfall in Berlin ein kulturelles Phänomen. Hier gab es üppigen Raum für das Leben, Kultur und Aneignung, hier entstanden Ideen, bildeten sich Klubs und fanden sich frische Geister. Die Goldrute ist als Pionierpflanze auf Brachflächen zuhause und damit stiller Indikator und Symbol für den Nutzungswandel; sie markiert den Übergang zwischen zwei Zuständen.

Die Goldrute bildet auf dem zentralen Teil des Schlossareals einen bis zu einem Meter hohen geschlossenen Teppich, ein Feld ungewöhnlicher Art. Archäologische Grabungen und Baustellen werden Teil des Pflanzenfeldes. Das Heilkraut ist schnell wachsend und resistent, zieht Schadstoffe aus dem Boden, breitet sich rasch aus und vermag sich nach Störungen schnell zu regenerieren und schließt so durch Grabungen entstandene Lücken. Und die Goldrute ist das üppige Gold des Spätsommers und lässt die Welt ein wenig leuchten, wenn die Blumen des Hochsommers längst verblüht sind.

Das Feld spannt sich zwischen den beiden Spreeufern auf. Die Aktivitäten konzentrieren sich vorrangig an den Ufern der Spree, den Rändern des Schlossareals. Die zentrale Komfortzone ist Teil des Feldes und liegt in der Kontur des ehemaligen großen Schlosshofes zwischen den Schlossfundamenten und ist ca. 3000 qm groß. Mit seinen intensiven klimatisierenden Funktionen in der Böschung und dem Wechselfloor im Inneren werden Aufenthaltsqualitäten konditioniert. In besonders heißen Sommerstunden wird durch eingelassene Düsen, Wassernebel versprüht, der die Strahlungswärme kompensiert.

Zum Spreeufer bietet eine Treppenanlage Raum zum Sitzen und Verweilen. Am westlich gelegenen Spreekanal können die drei Berliner Bären abwechselnd ‚Urlaub‘ in dem neuen Bärenpark auf der Schlossfreiheit machen. Mit wenigen Modifikationen wird die vorhandene Struktur der Fundamente des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals an diese Nutzung angepasst.


Freiräumlicher Realisierungswettbewerb


Programm: temporäre Zwischennutzung der Brache nach dem Abriß des Palastes der Republik

Auslober: DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft

Standort: Schlossplatz, Berlin, DE

Jahr: 2006

Verfasser: Joachim Schultz-Granberg, Jorg Sieweke, Jan Schombara

Team: Tashy Endres, Anne Fenk, Manuela Koelke, Gunnar Rönsch, Ida Sandström, Felipe Schmidt, Christopher Strein


SSG Schlossplatz Solidago

Goldrute [lat. Solidago]

     SSG Schlossareal Berlin perspektive02

 

SSG Schlossareal Berlin goldene brache

Vegetationsperioden der Goldrute

SSG Schlossareal Berlin wechselfloor

Nutzungsperioden des Wechselfloors

SSG Schlossareal Berlin Diagramm00

SSG Schlossareal Berlin Diagramm02 SSG Schlossareal Berlin Diagramm01

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